Gottesdienst-Formate

Wir bieten neue Gottesdienst-Formate an: K1 und K5

Neue Gottesdienstformate im Angebot?

Die neuen Formate K1 und K5 sind eigentlich nicht neu. Neu ist, dass unterschiedliche Formate jetzt auch erkennbare Bezeichnungen bekommen und das hat Gründe. Die Erwartungen und die Geschmäcker sind bekanntlich sehr verschieden, auch was die Gottesdienste betrifft. In Folge der Auswertung unserer großen Gottesdienstumfrage von 2018 haben sich die Ältesten Gedanken gemacht, wie wir den unterschiedlichen Interessen von Gottesdienstbesuchern und -besucherinnen entgegenkommen können. Die Hälfte aller Befragten ist mit der Gestaltung unserer Gottesdienste zufrieden. Wir setzen die Orgel genauso ein wie Gitarre, E-Piano und Cajón. Gesangbuchlieder und Lieder mit Beamer kommen selbstverständlich zum Einsatz und werden begrüßt. Die Liturgie hat ein Grundgerüst, kann aber verändert werden. Das ist der gewohnte Mix-Gottesdienst. Er wird auch in Zukunft keine weitere Bezeichnung tragen. Er ist unser Standard und heißt weiterhin einfach nur „Gottesdienst“.

Etwas weniger als ein Viertel der Befragten hätte gern mehr liturgische Formen und keine neueren Lieder. Hier sollte nur die Orgel die Lieder aus dem Gesangbuch oder neuen Anhang begleiten.

Ein Viertel der Befragten möchte das Gegenteil: Weniger liturgische Formen, keine Orgel, Bandbegleitung des neuen Liedgutes und eine offenere Gottesdienstgestaltung.

Wie sollen wir mit den teils gegensätzlichen Bedürfnissen umgehen?

Wenn eine Firma, die zum Beispiel Autos herstellt, auf unterschiedliche Bedürfnisse von Menschen stößt, dann reagiert sie mit einer Vielfalt an Produkten. Sie bietet unterschiedliche Autos für Familien, für Sportliche, für Sparsame und für den Luxusbereich an. Die Autos erhalten unterschiedliche Bezeichnungen – zum Beispiel: Polo, Golf, Passat, Sharan oder Touareg – und der Kunde lernt schnell den Unterschied der verschiedenen Formate kennen.

Das gilt in fast allen Bereichen, wo Unternehmen auf verschiedene Bedürfnisse treffen. Zum Beispiel bietet ein Radiosender für verschiedene Geschmäcker unterschiedliche Programme an und gibt den jeweiligen Formaten Bezeichnungen: SWR 1/2/3. Wer ein Programm nach seinem Geschmack sucht, lernt schnell, welches Format ihm zusagt und welches nicht. Es gibt kein universelles Auto, das jeden Geschmack trifft, und kein Radioprogramm, das jedem oder jeder gefällt.

Ein Blick in die Geschichte

Mit dem Angebot unserer Gottesdienste verhält es sich ähnlich. Zurzeit von Martin Luther gab es nur einen Gottesdienst, der für alle mehr oder weniger verbindlich war. In der Ortschronik von Ispringen habe ich gelesen, dass der Gottesdienst am Sonntag für alle Einwohner verbindlich war – egal ob jung oder alt. Wer sich drückte, wurde bestraft. Die Mehrheit hatte die Sonntagspflicht akzeptiert. Der Pfarrer machte sich keine Gedanken über die Bedürfnisse seiner Schäfchen.

Als die Gottesdienstbesucher und -besucherinnen mündiger wurden, gingen die Besucherzahlen zurück. Doch in der Regel hielt die Kirche an dem einen Gottesdienst für alle fest und hatten dafür gute theologische Gründe. Doch die meisten Geistlichen übersahen, dass sie mit ihrem Programm auch nur ein bestimmtes Format schufen, dass nur bestimmten Bedürfnissen entsprach. Galt früher die Dreiklassengesellschaft, so leben wir heute in verschiedenen Milieus. Der Gottesdienst wurde aber weiterhin beharrlich wie früher gefeiert und die Menschen stimmten mit ihren Füßen ab.

Im 20. Jahrhundert wurden regelmäßige Angebote für unterschiedliche Zielgruppen entdeckt. Familiengottesdienste sind ein Beispiel, aber auch Schülergottesdienste oder Gottesdienste in Krankenhäuser und Seniorenzentren. Die Gottesdienste für Kasualien (Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen – lateinisch kasus = der Fall) wurde immer mehr ausgebaut. Sie erfahren nach wie vor eine hohe Akzeptanz, bleiben aber als Sondergottesdienste ohne Auswirkungen auf die Besucherzahlen der sonntäglichen Gottesdienste. Taufen im Anschluss an einen 10 Uhr Gottesdienst werden lieber gewählt als der Gemeindegottesdienst.

Veränderungen der Gesellschaft fordern Veränderungen bei den Formaten

In den letzten 30 Jahren kamen immer mehr Gottesdienstformate auf, die sich stärker auf die unterschiedlichen Milieus und ihre Bedürfnisse einstellten. Aber können wir in einer Kirchengemeinde für jeden Geschmack, für jedes Alter und für jedes Milieu jeweils Gottesdienste anbieten? Bei derzeit 11 gesellschaftlichen Milieus müssten wir unter Berücksichtigung von mindestens drei Altersklassen 33 verschiedene Gottesdienstformate anbieten.

Kirchengemeinden in größeren Städten könnten in diese Richtung arbeiten, aber wir in Gundelfingen haben dafür nicht die personellen Kapazitäten. Deshalb werden wir uns auf drei Formate beschränken – abgesehen von den Kasualgottesdiensten oder den Gottesdiensten für bestimme Zielgruppen (Kindergarten, Schüler, Jugend, Familien, Senioren usw.):

  1. Gottesdienst. Keine Formatbezeichnung und wie gewohnt gestaltet.
  2. „K1“ Gottesdienst. Stärker liturgisch ausprägt. Hier solle nur die Orgel die Lieder aus dem Gesangbuch oder dem neuen Anhang begleiten.
  3. „K5“ Gottesdienst. Weniger liturgisch ausprägt, Bandbegleitung des neuen Liedgutes und eine offenere Gottesdienstgestaltung.

Durch die Benennung der jeweiligen Formate soll der Besucher und die Besucherin im Vorfeld wissen, was auf ihn oder sie zukommt. Keiner und keine soll während des Gottesdienstes überrascht werden, welches Format heute auf ihn oder sie wartet.

Zum Beispiel an Heiligabend praktizieren wir schon seit vielen Jahren unterschiedliche Formate:
- Senioren-Gottesdienst
- Christmette Family
- Christmette etwas anders
- Christmette Klassik
- Christmette Musik
- Christmette Mini (nicht jedes Jahr)

Jeder und jede sucht sich seinen „Radiosender“ aus und wir sehen, welches Format auf welche Resonanz stößt. Wenn also in den „Kirchlichen Nachrichten“ nur „Gottesdienst“ steht, dann wird unser Standard-Gottesdienst mit Orgel und Gitarre angeboten. Wer einen K1 oder K5 Gottesdienst besuchen möchte, findet im Jahresplan auf unserer Homepage die entsprechenden Termine.

Wie kommen wir zu den Namen?

Das Kirchengebäude hat die Adresse: „Kirchenwinkel 1“ und stand Pate für K1. Denn mit dem Kirchengebäude wird ein klassischer Gottesdienst in Verbindung gebracht.

Das Gemeindehaus hat die Anschrift: „Kirchenwinkel 5“, also K5. Im Gemeindehaus kommen unterschiedliche Menschen zu verschiedenen Angeboten zusammen. Das Gemeindehaus hat ein offeneres Angebot als das Kirchengebäude.

Es gab im Kirchengemeinderat eine lange Liste von unterschiedlichen Vorschlägen und eine eben solange Diskussion. Schließlich haben wir uns für diese Bezeichnungen entschieden. Uns ist bewusst, dass die Einführung von Bezeichnungen nicht immer auf Gegenliebe stößt. Doch die Erfahrung hat gezeigt, dass Namen für Formate langsam zur Gewohnheit werden.

„Kuno Krähe“ gibt es nun seit 19 Jahren und ist ein fester Begriff geworden. Nur wenigen muss erklärt werden, was der „Kuno“ eigentlich ist. Dies gilt auch für „AnnaManna“ oder den „anderen Gottesdienst“. Ich bin zuversichtlich, dass mit der Bezeichnung K1 oder K5 das gleiche passieren wird.

Wenn Sie also lesen, dass am Sonntag ein K1 Gottesdienst stattfindet, dann wissen Sie, dass nur die Orgel vorkommt und die Liturgie klassisch sein wird.

Karfreitag, Ostern, Pfingsten, Erntedank sind klassische Gottesdienste, die wir aber nicht K1 nennen werden. Auch die Bezeichnung der „anderen Gottesdienst“ oder der „Abendgottesdienst“ behalten wir bis auf weiteres bei.

Sie können dem Kirchengemeinderat gern eine Rückmeldung geben. Für ein konstruktives Feedback sind wir immer offen und dankbar. Dort, wo wie uns weiter entwickeln können, werden wir es versuchen. Klar ist aber auch: Je mehr Menschen sind einbringen, umso mehr ist auch möglich.

Ihr Pfarrer Helmut Becker

Vorsitzender des Kirchengemeinderates


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